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Mein Postzusteller ist überfordert – Gaudi in der Lederhose

Wie ich hier im Blog bereits geschrieben habe, bin ich begeisterter Postcrosser. Für alle, die das Postcrossing-Projekt noch nicht kennen: Man kann dort Postkarten an Mitglieder in aller Welt verschicken und erhält die entsprechene Anzahl von versendeten Postkarten von jeweils anderen Usern zurück. Pro Woche trudeln hier 5- 15 Postkarten ein. Das scheint unseren Postzusteller zu überfordern bzw. habe ich ihn schon so konditioniert, dass er anscheinend sämtliche Postkarten Kiels in meinen Briefkasten stopft, ohne auf den korrekten Empfänger zu achten. Letzte Woche hatte ich eine Ansichtskarte aus Australien im Briefkasten, die für meinen Nachbarn bestimmt war. Heute dann das Highlight: Eine Karte für eine weibliche Person, die an eine Adresse weit entfernt von meiner Straße adressiert war. Da sendet jemand eine selbstgestaltete Karte aus dem Urlaub in Österreich an ihre beste Freundin. Das Motiv ist echt witzig… und zeigt die Absenderin knutschenderweise vor dem Ösi-Alpenpanorama. Grins. Hach… Teenager möchte ich nochmal sein.Bin ich froh, dass die beiden nicht im FKK-Urlaub weilten… Ich habe die Personen so gut es geht unkenntlich gemacht. Will hier ja niemanden persönlich vorführen. Ich find’s süß 🙂

Gaudi in der Lederhose

Gaudi in der Lederhose

„Nothing for ungood“ von John Madison

"Nothing For Ungood"

"Nothing For Ungood"

Ich bin gestern beim Stöbern in der Unibuchhandlung auf das Buch „Nothing for ungood“. Deutsche Seltsamkeiten aus amerikanischer Perspektive“ von John Madison gestossen und habe es spontan mitgenommen (und vorher natürlich bezahlt). Es gibt auch den gleichnamigen Webblog „Nothing for Ungood“ aus dem dieses Buch hervorgegangen ist.

Wie ist mein erster Eindruck, nachdem ich den Schmöker halb durchgelesen habe? Das beste sind wohl die Fußnoten der deutschen Übersetzerin, die dem autor oftmals Kontra geben und amüsanter sind als die eigentlichen Kapitel es selber sind. Man merkt es dem Autor an, dass er kein ausgesprochen erfahrener Literat ist (Ausdruck, Schreibweise etc.). Dennoch beinhaltet das Werk einige höchstamüsante Anekdoten und Denkweisen, die vor allem dann herzhaft zum Lachen anregen, wenn man mit dem amerikanischen Lifestyle ein wenig vertraut ist. Bei vielen erwähnten Eigenarten frage ich mich aber ernsthaft, ob dies nun eine komische deutsche Angewohnheit ist oder umgekehrt eine amerikanische Unsitte.

So mancher Einwand des Autos bezüglich deutscher Gewohnheiten ist schwer nachvollziehbar, z.B. als er sich darüber amüsiert, dass Deutsche ihre Krankheit planen, da sie vom Hausarzt bis zu einem bestimmten Wochentag im voraus krankgeschrieben werden (sinngemäß: Der Kollege X ist bis Donnerstag erkrankt.). Allerdings spricht Madison auch viele Gegebenheiten an, über die ich mir selber bereits Gedanken gemacht habe: Wieso besuchen sämtliche Ami-Touristen immer nur Deutschlands Süden und nie den Norden? Meiner Meinung nach deshalb, weil sich im Süden die typischen deutschen Sehenswürdigkeiten befinden (Berge, Schlösser und Burgen, BAYERN!). Auch ich habe das Gefühl, dass für die Amis alle Deutschen mit Lederhose und Dirndl herumrennen, mit einer Maß Bier in der Hand un der Kuckucksuhr an der Wand. Aber diesen Eindruck haben die Amerikaner wirklich von uns! Dies bestätigt auch der Autor, indem er folgendermaßen argumentiert: Wie stellen wir Deutschen uns einen Bayern vor? Mit Lederhose, Schurrbart, Sepplhut und Bier? Ja! Wie aber stellen wir uns im Gegenzug einen Hessen vor? Hier ist keine eindeutige Antwort möglich, es gibt keinen stereotypischen Hessen. Genau deswegen, so der Autor, würden die Amis sich die Deutschen als Bayern vorstellen. Ihnen sei es auch egal, dass Bayern lediglich eines von 16 Bundesländern sei. Die Amis besuchen Deutschland und wollen ihr Klischee bestätigt wissen… also führe der Sightseeing-Trip ogligatorisch gen München und Neuschwanstein. Letzteres würde der Ami ja mit den ihm bekannten deutschen Märchenerzählungen in Verbindung bringen.

Es ist aber wirklich so: Ich kenne einige Amis, viele haben Deutschland bereist oder haben dies geplant. Keiner dieser amerikanischen Staatsangehörigen war jemals in nördlichen Gefilden unterwegs oder zeigt auch nur das leiseste Interesse für den norddeutschen Raum. Berlin ist da schon das höchste der zu erwartenden Gefühle. Ich habe bereits viele US-Bekannte gefragt, was sie mit Deutschland konnotieren: Bratwurst, Schnapps (ja, so wird es dort geschrieben – mit zweifach „p“), Prezel, Kuckucksuhr, Lederhosen, Oktoberfest. Very nordish also.

Wollen wir den Spieß mal umdrehen… Was stört mich am meisten bei dem Amerikanern?! Amis können meiner Meinung nach keine Kritik ab und sind schnell beleidigt. Wenn man z.B. in Internetforen die leiseste Kritik übt, mag sie auch noch so konstruktiv sein, wird man „ge-ban-t“ (also gekickt, rausgeschmissen). Im Umkehrschluss heisst das: Viele Amerikaner halte ich der Selbstreflexion und Selbstkritik für gänzlich unfähig. Ich meine dies keinesfalls beleidigend. Amerikaner haben einen hohen Nationalstolz und einen gleichermaßen ausgeprägten persönlichen Stolz. Daher gilt: Diskutiere nie mit einem Ami über „Gott und die Welt“. Es wird zu Steit führen. Andere Meinungen werden nicht akzeptiert.

Zurück zum Buch: Da das Buch in kurze ein- bis zweiseitige Kapitel aufgeteilt ist, dient es als amüsante Zu-Bett-Geh-Lektüre. Es werden einige interessante Themen angeschnitten, die aber nur oberflächlich weiterverfolgt werden. Hier würden sich weitere Ausführungen als vorteilhaft erweisen. Bei vielen beschriebenen „Unsitten“ frage ich mich: Ist das amerikanische Verhalten nicht eher das unsittliche und ungewöhnliche?! 3 von 5 Sterne.

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