Enjans Blog

Kieler Kunterbuntes

Archiv für den Monat “Februar, 2010”

Today: HSV vs PSV Eindhoven

Nachher geht es nach langer Livefußball-Durststrecke wieder gen Hamburg. Pünktlich zum Tauwetter. Was steht an? Das Hinspiel der Europa-League Zwischenrunde gegen den PSV Eindhoven. Pikanterweise die langjährige sportliche Heimat des neuen HSV-Star Ruud van Nistelrooy. Dieser hat sich am vergangenen Wochenende mit zwei Toren innerhalb von 90 Sekunden im Spiel gegen den VfB Stuttgart eindrucksvoll in der Bundesliga zu Wort Tor gemeldet. Vermutlich werden aber Petric und Berg in der Startelf stehen. Weitere interessante Personalien: Wer erhält den Vorzug auf der rechten Seite? Elia ist verletzt und kann nicht spielen. Trochowski und Tesche streiten sich um den freien Platz. Da Troche aber einen Grottenkick nach dem anderen abliefert (selbst wenn der Rest des Teams gut drauf ist), tippe ich auf Robert Tesche, der schon in Stuttgart an zwei Toren beteiligt gewesen ist. Troche kann ich nur raten: Such‘ dir bitte zum Sommer einen neuen Verein.

Meine Hamburger MÜSSEN gewinnen, denn PSV ist äußerst heimstark und sind in der Hollandliga unbesiegt. Wichtig ist, kein Gegentor zu kassieren. Ideal wäre ein 2:0 Sieg, aber man könnte auch mit einem 1:0 leben. Dann müssen wir aber vermutlich im Rückspiel in Eindhoven mindestens ein Tor schießen. Der PSV ist für mich schwer einschätzbar, daher werde ich mich von dem mit Nationalspieler gespickten Team überraschen lassen.

Zum ersten Mal seit längerer Zeit kann man auch ohne Label wieder auf dem von mir bevorzugten Parkplatz Rot parken, da keine Parallelveranstaltung in der Colina stattfindet. Herrje.. dass ich das noch erleben darf. Sauer stösst einem nur die späte Anstosszeit um 21:05 Uhr auf. Das heisst, dass ich nicht vor halb 1 zurück in Kiel bin.

Also Ruud: Lass heute wiederden  „van the man“ raushängen. Ruud van Goal. Ich würde dich in die Startelf packen! Definitiv! Der Mann ist eine Wucht… Ich muss hier unbedingt noch loswerden, dass er die zwei Tore in Stuttgart brilliant erzielt hat. Die Dinger haut nicht jeder Stürmer so eiskalt und schnörkelos rein. Das war Killerinstinkt und Torhunger hoch 10. Extraklasse. Weltklasse.

Jetzt muss meine Autowerkstatt nur noch meinen Wagen pünktlich flott bekommen… Der Gasdruckfedern des Kofferraums sind defekt, wodurch mir in aller Regelmäßigkeit das Kofferraumschloss auseinanderfliegt.

„Nothing for ungood“ von John Madison

"Nothing For Ungood"

"Nothing For Ungood"

Ich bin gestern beim Stöbern in der Unibuchhandlung auf das Buch „Nothing for ungood“. Deutsche Seltsamkeiten aus amerikanischer Perspektive“ von John Madison gestossen und habe es spontan mitgenommen (und vorher natürlich bezahlt). Es gibt auch den gleichnamigen Webblog „Nothing for Ungood“ aus dem dieses Buch hervorgegangen ist.

Wie ist mein erster Eindruck, nachdem ich den Schmöker halb durchgelesen habe? Das beste sind wohl die Fußnoten der deutschen Übersetzerin, die dem autor oftmals Kontra geben und amüsanter sind als die eigentlichen Kapitel es selber sind. Man merkt es dem Autor an, dass er kein ausgesprochen erfahrener Literat ist (Ausdruck, Schreibweise etc.). Dennoch beinhaltet das Werk einige höchstamüsante Anekdoten und Denkweisen, die vor allem dann herzhaft zum Lachen anregen, wenn man mit dem amerikanischen Lifestyle ein wenig vertraut ist. Bei vielen erwähnten Eigenarten frage ich mich aber ernsthaft, ob dies nun eine komische deutsche Angewohnheit ist oder umgekehrt eine amerikanische Unsitte.

So mancher Einwand des Autos bezüglich deutscher Gewohnheiten ist schwer nachvollziehbar, z.B. als er sich darüber amüsiert, dass Deutsche ihre Krankheit planen, da sie vom Hausarzt bis zu einem bestimmten Wochentag im voraus krankgeschrieben werden (sinngemäß: Der Kollege X ist bis Donnerstag erkrankt.). Allerdings spricht Madison auch viele Gegebenheiten an, über die ich mir selber bereits Gedanken gemacht habe: Wieso besuchen sämtliche Ami-Touristen immer nur Deutschlands Süden und nie den Norden? Meiner Meinung nach deshalb, weil sich im Süden die typischen deutschen Sehenswürdigkeiten befinden (Berge, Schlösser und Burgen, BAYERN!). Auch ich habe das Gefühl, dass für die Amis alle Deutschen mit Lederhose und Dirndl herumrennen, mit einer Maß Bier in der Hand un der Kuckucksuhr an der Wand. Aber diesen Eindruck haben die Amerikaner wirklich von uns! Dies bestätigt auch der Autor, indem er folgendermaßen argumentiert: Wie stellen wir Deutschen uns einen Bayern vor? Mit Lederhose, Schurrbart, Sepplhut und Bier? Ja! Wie aber stellen wir uns im Gegenzug einen Hessen vor? Hier ist keine eindeutige Antwort möglich, es gibt keinen stereotypischen Hessen. Genau deswegen, so der Autor, würden die Amis sich die Deutschen als Bayern vorstellen. Ihnen sei es auch egal, dass Bayern lediglich eines von 16 Bundesländern sei. Die Amis besuchen Deutschland und wollen ihr Klischee bestätigt wissen… also führe der Sightseeing-Trip ogligatorisch gen München und Neuschwanstein. Letzteres würde der Ami ja mit den ihm bekannten deutschen Märchenerzählungen in Verbindung bringen.

Es ist aber wirklich so: Ich kenne einige Amis, viele haben Deutschland bereist oder haben dies geplant. Keiner dieser amerikanischen Staatsangehörigen war jemals in nördlichen Gefilden unterwegs oder zeigt auch nur das leiseste Interesse für den norddeutschen Raum. Berlin ist da schon das höchste der zu erwartenden Gefühle. Ich habe bereits viele US-Bekannte gefragt, was sie mit Deutschland konnotieren: Bratwurst, Schnapps (ja, so wird es dort geschrieben – mit zweifach „p“), Prezel, Kuckucksuhr, Lederhosen, Oktoberfest. Very nordish also.

Wollen wir den Spieß mal umdrehen… Was stört mich am meisten bei dem Amerikanern?! Amis können meiner Meinung nach keine Kritik ab und sind schnell beleidigt. Wenn man z.B. in Internetforen die leiseste Kritik übt, mag sie auch noch so konstruktiv sein, wird man „ge-ban-t“ (also gekickt, rausgeschmissen). Im Umkehrschluss heisst das: Viele Amerikaner halte ich der Selbstreflexion und Selbstkritik für gänzlich unfähig. Ich meine dies keinesfalls beleidigend. Amerikaner haben einen hohen Nationalstolz und einen gleichermaßen ausgeprägten persönlichen Stolz. Daher gilt: Diskutiere nie mit einem Ami über „Gott und die Welt“. Es wird zu Steit führen. Andere Meinungen werden nicht akzeptiert.

Zurück zum Buch: Da das Buch in kurze ein- bis zweiseitige Kapitel aufgeteilt ist, dient es als amüsante Zu-Bett-Geh-Lektüre. Es werden einige interessante Themen angeschnitten, die aber nur oberflächlich weiterverfolgt werden. Hier würden sich weitere Ausführungen als vorteilhaft erweisen. Bei vielen beschriebenen „Unsitten“ frage ich mich: Ist das amerikanische Verhalten nicht eher das unsittliche und ungewöhnliche?! 3 von 5 Sterne.

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