Enjans Blog

Kieler Kunterbuntes

„Wie Sie ja bereits wissen…“ (…ist das Notebook defekt und ein Backup sinnvoll)

Wisst ihr, welchen Spruch und Satzübergang ich hasse wie der Teufel das Weihwasser?! Meist von Professoren in Seminaren und Vorlesungen genutzt: „Wie Sie ja alle bereits wissen…„. Ja? Was weiß ich? Weswegen sitze ich wohl hier in der Veranstaltung? Weil ich bereits alles weiss?!

In diesem Sinne: Wie ihr ja bereits wisst… arbeite ich Teilzeit in einer technischen Support-Hotline eines großen Festplatten- und MP3-Player Herstellers. Wie liebe ich die Anrufe vieler Kunden, deren Datenspeicher defekt ist und die nun keinen Zugriff mehr auf ihre ach so wichtigen Daten haben. Lustig wird es immer dann, wenn Examensarbeiten und Geschäftsdaten betroffen sind. Standardaussage ist meist: „Ich habe mir die Festplatte doch extra zur Datensicherung gekauft und jetzt geht die kaputt?!“. Soll vorkommen, dass Geräte mal einen Defekt aufweisen (denke ich mir) und antworte meist, dass der Anrufer sich ja glücklich schätzen können, die Daten vorbildlich gesichert zu haben, da jetzt noch an anderer Stelle eine Kopie der Daten vorhanden ist (oder sein müsste). Dumm nur, dass 90% der Kunden in Wirklichkeit keine Datensicherung betrieben haben, sondern Daten einfach nur auf den neuen Datenträger verschoben haben. Solche Calls arten leider manchmal in Beleidigungen und Beschimpfungen seitens des enttäuschten Anrufers aus und die Herstellerfirma samt ihren Produkten wird mit diversen Fäkalausdrücken betitelt (objektiv betrachtet natürlich zu Unrecht!!!). Aber aus eigenen Fehlern lernt man bekanntlich am Besten und Schnellsten… Wieso glauben viele Computernutzer eigentlich, dass Datenspeicher unkaputtbar sind? Bei einem Fernseher, einem Radio oder Mixer wird ein Defekt schon wetaus eher als „normal“ angesehen. Womöglich liegt bei einem Datenspeicher eine höhere emotionale Bindung vor bei all den dort gespeicherten ideellen Werten wie Urlaubsfotos und E-Mails von der Geliebten.

Worauf will ich hinaus? Es ist noch keine drei Tage her, dass ich die Diskussion mit meiner Lebensgefährtin führte. Ich wies sie freundlichst darauf hin, doch mal endlich die wichtigsten Daten ihres Laptops zu sichern. Die Antwort war, dass sie sich deswegen nun nicht extra ein Speichermedium kaufen wolle, das sei ja doppelt gemoppelt und davon hätte sie nichts außer Kosten. So weit, so gut.

Wie es nun kommen musste, erreichten mich während meiner Arbeitsschicht am gestrigen Dienstag diverse Panik-SMS. Das gute Medion-Laptop hatte doch glatt seinen ansonsten reibungslosen Dienst versagt und hatte sich mit Dutzenden von unaufgeforderten „Minus“-Zeichen im Textfeld einer E-Mail verabschiedet. Beim darauffolgenden Neustart hieß das Motto „Rien ne va plus.“. Na sowas aber auch… Laptop ist definitiv defekt und wird nun eingeschickt. Über die Frage meiner Herzallerliebsten „Und was ist nun mit meinen Daten? Ich brauch‘ die doch noch.“ konnte ich -so leid es mir auch tut- nur schmunzeln.

Wie sie ja bereits wissen…: Wer nicht hören will, muss fühlen. Nicht nur anonyme Kunden lernen aus Versäumnissen, sondern auch die eigene Freundin. Wobei ich durchaus mitfühlend bin. So viel Empathie muss sein.

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